Meine traumhafte Nacht beginnt, als ich zwischen den beiden Ufern des Tibers hin und her fahre, von Trastevere zum Campo de’ Fiori, von der Piazza Navona zum Pantheon: Das ist das pulsierende Herz von Rom. Ganz mutig begebe ich mich ins Labyrinth der engen Gassen und Fußgängerzonen, um Menschen zu sehen, die Spaß haben.

Aber es ist an der Zeit, diesem Irrgarten im Zentrum von Rom zu entkommen. Meine Motorhaube weist jetzt nach Süden. Ich überquere die Piazza Venezia und fahre am elfenbeinfarbenen Monumento a Vittorio Emanuele II vorbei, und dann öffnet sich vor mir die Via dei Fori Imperiali – breit, schnurgerade und komplett frei von Verkehr. Zu meiner Rechten befindet sich das Forum Romanum, eine Art archäologisches Disneyland. Ich fahre am Kolosseum vorbei, das seit 80 n. Chr. hier steht, und beim Anblick dieser atemberaubenden antiken Sportstätte, dem Schauplatz so vieler grausiger Spiele, bin ich emotional berührt.

Die barocken Schätze und antiken Ruinen im Zentrum von Rom sind immer noch in Sichtweite, als ich EUR erreiche, das moderne Stadtviertel, dessen Bau in der faschistischen Ära begann und rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 1960 abgeschlossen wurde.

Die Grundformen des Bezirks, seine weiten Panoramen, geometrischen Linien und strahlend weißen Gebäude ergeben eine Art natürliches Bühnenbild, irgendwie neutral, aber zugleich voller Charakter. Man versteht sofort, warum hier so viele Filme und Werbefilme für Autos gedreht wurden. Angesichts der Weite der Räume sieht man leicht ein, warum EUR die erste Wahl für eine mögliche künftige Formel-1-Rennstrecke in Rom ist. Ich bin also genau am richtigen Ort.

Ruinen in der Innenstadt von Rom in der Nacht

Alle Wege führen nach Rom

Ich fahre wieder in Richtung Norden. Rom ist eine ganz besondere Stadt. Romanità, das römische Wesen, jene unverwechselbare Mischung aus entzauberter Ironie und Geselligkeit – das ist es, was der ewigen Stadt ihre einzigartige Atmosphäre verleiht. Aber wie London und Paris ist auch Rom äußerst facettenreich. Viele kleine Roms ergeben das eine, große, und alle haben sie ihre eigenen charakteristischen Merkmale.

Ein solcher Mikrokosmos ist Testaccio, das ich jetzt von der Via Ostiense aus sehen kann, hinter der antiken Cestius-Pyramide. Historisch gesehen ein Arbeiter- und Industriebezirk, ist Testaccio heute die Heimat zahlreicher Bars und Restaurants. Es hat sich in einen der hippesten Hotspots des römischen Nachtlebens verwandelt und macht Pigneto und Ponte Milvio Konkurrenz. Doch zu dieser Stunde befinden sich die Römer, die das Core de Roma, das ‘Herz von Rom‘, ausmachen, entweder zu Hause oder haben sich in den Clubs eingenistet.

Selbst das historische Zentrum ist jetzt menschenleer. An der Piazza di Spagna steige ich für ein paar Minuten aus dem Auto. Nach einem kurzen Spaziergang erreiche ich den Aussichtspunkt auf dem Monte Pincio, von dem aus ich die enorme Piazza del Popolo sehen kann und dahinter die ganze Stadt. Am Tag wird Roms Schönheit oft durch Lärm und Verkehr und Horden von Touristen verdeckt. In der Nacht jedoch weicht der Alltag der Ewigkeit.

Ich lenke meine Schritte zurück zum Auto und nehme noch einmal auf dem Fahrersitz Platz. Ich habe in dieser Nacht zahlreiche Meisterwerke gesehen, doch das größte Meisterwerk von allen ist die Stadt selbst – ein Produkt aus Tradition, Stil und Leidenschaft. Das ist wahre Kunst. Und noch ein paar Stunden lang gehört das alles mir. Mir allein.

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