Mit rund 20 Milliarden Kubikmeter wird Erdgas im Transportwesen zwar noch relativ wenig genutzt. Doch vor allem in Brasilien, China, Pakistan, Iran und Indien haben mit Erdgas betriebene Fahrzeuge Hochkonjunktur. In diesen Ländern fährt ein Großteil der weltweit rund 23 Millionen Erdgasfahrzeuge, deren Zahl seit 2011 um satte 65 Prozent zugenommen hat. Verantwortlich für den Boom sind umfassende staatliche Förderprogramme, die niedrigere Kraftstoffsteuern und Kaufprämien umfassen. Doch Gas ist nicht gleich Gas: Pkw, Kleintransporter und kleine Schiffe nutzen überwiegend sogenanntes Compressed Natural Gas (CNG). Schwerlast- und Geländefahrzeuge, aber auch große Schiffe laufen überwiegend mit der verflüssigten Variante Liquefied Natural Gas (LNG).

Beiden Gasarten gemein ist ihr hoher Methangehalt von bis zu 95 Prozent. Dieser macht den brennbaren Anteil der Ressource aus. Hinsichtlich Aufbereitung und Energiedichte unterscheiden sie sich jedoch fundamental: CNG lagert in speziellen Tanks bei einem Druck von 200 bar. Dabei wird Erdgas zu einem sogenannten überkritischen Fluid und nimmt einen Zustand an, der weder flüssig noch gasförmig ist. LNG hingegen wird auf -162 Grad Celsius abgekühlt, wodurch es seinen Aggregatzustand von gasförmig zu flüssig ändert. Beide Verfahren erfolgen aus einem bestimmten Grund: Im Vergleich zu flüssigen Kraftstoffen bietet Erdgas eine geringere Energiedichte. Das bedeutet, dass die Menge an gespeicherter Energie pro Volumeneinheit kleiner ist als bei Benzin oder Diesel. Um die Energiedichte zu erhöhen, muss das Gas komprimiert oder verflüssigt werden – mit unterschiedlichen Folgen für den Kraftstoff.

LNG hat eine weit höhere Energiedichte als CNG. Deshalb eignet sich Flüssiggas besonders für schwere Nutzfahrzeuge, die lange Strecken fahren und auf größere Reichweiten angewiesen sind. Allerdings muss LNG konstant auf einer sehr niedrigen Temperatur gehalten werden, damit es nicht im Tank verdampft. Für Fahrzeuge, die nur sporadisch gefahren werden, eignet es sich deshalb nicht. Bei Personenkraftwagen, leichten Nutzfahrzeugen und Lkw mit kurzer bis mittlerer Reichweite erweist sich folglich CNG als Kraftstoff der Wahl: Es verdampft nicht so leicht und ist zudem kostengünstiger herzustellen, da die Komprimierung von Erdgas weniger Energie verbraucht als die Verflüssigung. Beide Kraftstoffalternativen sind darüber hinaus besonders emissionsarm: Die Verbrennung von Erdgas setzt 25 Prozent weniger CO2 frei als Diesel und 23 Prozent weniger als Benzin.

Weil die umweltfreundlichen Gase immer mehr Abnehmer finden, decken mittlerweile rund 4.200 Tankstellen für CNG den Bedarf von rund 1,8 Millionen europäischen Erdgasfahrzeugen. Bei LNG sind es etwas weniger: In Nordamerika, Teilen von Europa und China sind derzeit 50.000 Lkws mit Flüssiggas unterwegs, die an etwa 1.300 Tankstellen neuen Kraftstoff tanken. Schätzungen zufolge fahren allein in Europa 900 Straßenfahrzeuge mit LNG, insbesondere im Güterfern- und Lieferverkehr.

In Sachen CNG entfallen auf Deutschland rund 900 öffentlich zugängliche Erdgastankstellen für die 100.000 hierzulande angemeldeten Gasvehikel. Rund 60 dieser Stationen betreibt Shell. Die Chancen stehen gut, dass die europäischen Nutzer von Erdgasfahrzeugen künftig noch flexibler tanken: In einem aktuellen Richtlinien-Vorschlag sieht die EU-Kommission vor, das europäische Tankstellennetz für CNG und LNG bis 2020 flächendeckend auszubauen. Bis dahin sollen mindestens eine CNG-Tankstelle je 150 km und eine LNG-Tankstelle je 400 km den begehrten Kraftstoff liefern.

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