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Shell Energie-Dialog in Wien - 21.10.2008

Nachhaltige Mobilität - Was treibt uns morgen an?

Referenten

Begrüßung und Einführung:

Ing. Friedrich Schalk, Generaldirektor Shell Austria

DDr. Reinhard Mang, Generalsekretär im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFW)

Dkfm. Hans Peter Halouska, Generalsekretär ÖAMTC

Prof. Dr. Bernhard Geringer, Vorstand Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau, Technische Universität Wien

Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt Shell Deutschland

Moderation:

Günther Strobl - Der Standard

125 Gäste beim Shell Energie-Dialog in Wien

Von Cornelia Wolber

Selten waren sich Wirtschaft, Wissenschaft und Politik so einig wie beim Shell Energie-Dialog im Wiener Palais Coburg: Um auch künftig eine sichere, bezahlbare und gleichzeitig nachhaltige Mobilität gewährleisten zu können, bedarf es großer Anstrengungen. Wie schwierig das werden wird, machte der Generaldirektor der Shell Austria, Ing. Friedrich Schalk gleich zu Beginn der Veranstaltung anhand von „drei harten Wahrheiten“ deutlich. So wird sich die Nachfrage nach Energie bis 2050 verdoppeln. Gleichzeitig wird es immer schwieriger und damit teurer, neue Energiequellen zu erschließen. Und: mit dem wachsenden Energieverbrauch steigen auch die CO2-Emissionen.

Ein hörbares Raunen ging durch die Reihen der 125 Gäste, als Schalk die steigende Nachfrage, die insbesondere durch aufstrebende Länder wie China oder Indien getrieben wird, am Beispiel der Pkw Zahlen verdeutlichte. In Österreich wuchs diese in den letzten 60 Jahren auf heute 4,2 Millionen. Das sind rund 510 pro 1000 Einwohner. Auf Chinas Straßen fahren zur Zeit 40 Millionen Kraftfahrzeuge und damit 30 pro 1000 Personen. Experten erwarten, dass sich diese Zahl bis 2020 auf 150 Millionen vervierfachen wird.
 
„Im Kern besteht die Herausforderung also darin, den steigenden Energiebedarf zu decken und zugleich die Emissionen klimaschädlicher Gase, allen voran CO2 zu begrenzen – oder besser noch zu senken“, sagte Schalk. Die Welt brauche doppelt so viel Energie, aber vertrage nur halb so viel CO2.

Den Königsweg, um diese offenkundige Quadratur des Kreises zu lösen, gibt es nicht. Auch darin waren sich die Referenten einig. Entsprechend werde es in Zukunft auch nicht den einen Antrieb geben, sondern weiterhin viele.

Für Shell steht fest, dass trotz eines wachsenden Anteils von Erneuerbaren Energien fossile Brennstoffe auch in Zukunft den Großteil der weltweiten Energieversorgung ausmachen werden, erklärte Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt Shell D-A-CH. Daher arbeitet das Unternehmen daran, fossile Kraftstoffe effizienter zu machen. Gleichzeitig erforscht und entwickelt Shell alternative Kraftstoffe wie synthetischen Diesel aus Erdgas (GTL, Gas to Liquids) oder aus Biomasse (BTL, Biomass to Liquids). Und auch beim Wasserstoff ist das Unternehmen aktiv.

Doch die Vorstellung, dass bereits in absehbarer Zeit, nur noch Autos mit Hybrid- oder Elektroantrieb auf den Straßen fahren, wischte auch Prof. Dr. Bernhard Gehringer, Vorstand des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau der Technischen Universität vom Tisch. „Der Verbrennungsmotor bleibt auch in Zukunft dominant“, sagte der Wissenschaftler. Nur: Die Technik wird nicht mehr die selbe sein, wie wir sie heute kennen.
 
Für den Generalsekretär des ÖMATC, Diplomkaufmann Hans Peter Halouska, ist bei der Antwort auf die Frage „Was treibt uns künftig an?“ vor allem eines wichtig: Autofahren muss bezahlbar bleiben. Und: der Autofahrer muss, genau wie die Kfz-Hersteller und die Energieunternehmen wissen,  was auf ihn zukommt. „Wir alle brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, sagte Halouska und blickte dabei ganz  bewusst in die Augen von DDr. Reinhard Mang.

Doch für den Generalsekretär im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFW) ist der Rahmen mit den Beschlüssen der EU bereits unmissverständlich gesteckt.  Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich geeinigt, bis 2020 den CO2-Ausstoss gegenüber 1990 um 20 Prozent zu reduzieren. Allein für Österreich bedeutet das ein Minus von 10,6 Millionen Tonnen. Davon so Mang, sollen allein 4,4 Millionen durch den Verkehrssektor erbracht werden.

Große Hoffnungen setzt die Politik dabei in die höhere Beimischung von Biokraftstoffen. In Österreich liegt der Anteil derzeit bei 5,75 Prozent. Ziel sei, die Quote mittelfristig auf zehn Prozent zu erhören, so Mang. „Doch Bio ist nicht gleich Bio“, mahnte Gehringer. So könnten nicht alle Pkw einen höheren Anteil von Biokraftstoffen der so genannten ersten Generation vertragen. Aus technischer Sicht unbedenklich sei hingegen die Zumischung von Biokraftoffen der zweiten Generation wie GTL oder BTL von Shell. Doch die verfügbaren Volumina reichten bei weiten nicht aus, um den Bedarf zu stillen, warnte Adolf .

In jedem Fall gelte es sicher zu stellen, dass die Rohstoffe aus nachhaltiger Produktion kommen. Und: es darf keinen Kampf zwischen Tank und Teller geben, so Mang.