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Shell Energie-Dialog in Berlin – 09.06.2010

„Innovationen für die Energieversorgung von morgen“

Referenten

Begrüßung

  • Dr. Peter W. Blauwhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Shell Holding GmbH

Podium

Schlusswort

  • Fritjof von Nordenskjöld, Geschäftsführender stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Poiltik e.V. (DGAP)

Moderation

  • Tissy Bruns, Politische Chefkorrespondentin, Der Tagesspiegel, Berlin

Im Schulterschluss Richtung Zukunft

Von Sebastian Meißner

Sicher, bezahlbar, nachhaltig: Die Anforderungen an die Deckung des wachsenden Energiebedarfs sind ambitioniert. Beim Shell Energie-Dialog in Berlin diskutierten Experten über mögliche Lösungen. Dabei wurde klar: Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen an der erforderlichen Weichenstellung mitarbeiten.

Podium (v.l.n.r. Tissy Bruns, Dr. Norbert Röttgen, Peter Voser, Prof. Dr. Ottmar Edenhofer)

Das Interesse war diesmal besonders groß: Rund 900 Teilnehmer hatten sich bereits im Vorfeld für den 25. Shell Energie-Dialog angemeldet, darunter ca. 50 Journalisten. Das ist neuer Besucherrekord. Die Frage, die alle bewegte, formulierte Gastgeber Dr. Peter W. Blauwhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Shell Holding GmbH, in seiner Begrüßungsrede: Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft im Spannungsfeld zwischen Umwelt- und Klimaverträglichkeit auf der einen und Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite aus?

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Peter Voser, Chief Executive Officer der Royal Dutch Shell plc. Moderiert wurde die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Poiltik (DGAP) ausgerichtete Veranstaltung von Tissy Bruns, Politische Chefkorrespondentin beim„Tagesspiegel“, Berlin.

Das Jahr der Entscheidungen

Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

„Wir verbrauchen mehr, als der Planet regeneriert. Dieser Egoismus und diese Verantwortungslosigkeit muss ein Ende haben. Es ist Zeit, endlich den erforderlichen Wandel einzuleiten“, sagte Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen. Für ihn steht fest: 2010 ist das Jahr der energiepolitischen Grundsatzdebatten und –entscheidungen. Basis der zukünftigen Energieversorgung müssten Erneuerbare Energien sein. „Die heutige Energieversorgung läuft auf einen Versorgungsmangel hinaus.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel von ressourcenverbrauchender zu ressourcenschonender Industrie“, so der Umweltminister. Die ambitionierten Pläne der Regierung: Bis 2050 soll der CO2-Verbrauch gegenüber 1990 um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Erforderlich dafür ist eine grundlegende Modernisierung der Technologien. Röttgen: „Wir reden hier über die dritte industrielle Revolution, die auch massive Auswirkungen auf die herrschende Weltordnung haben wird. In diesem Wettbewerb wird Wohlstand verteilt. Wer auch in Zukunft einen hohen Lebensstandard haben will, muss jetzt das Thema Energiepolitik anpacken.“

Die Kernenergie übernehme dabei eine Brückenfunktion. „Wir sollten die Atomdiskussion entideologisieren. Alle Parteien in Deutschland haben die Zeichen der Zeit erkannt und gemeinschaftlich entschieden, dass atomare Energie und Kohle in Deutschland dauerhaft keine Zukunft haben werden.“ Die Aufgabe der Regierung sei es, den Wettbewerb anzukurbeln und den Industriestandort Deutschland dauerhaft zu stärken: Dazu zähle es, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Unternehmen Investitionssicherheit bieten.

Unternehmen in der Verantwortung

Auf internationaler Ebene engagiert sich Shell. Wie Peter Voser, CEO Royal Dutch Shell plc, ausführte, ist Shell als einziges Gas- und Ölunternehmen in der US Climate Action Partnership engagiert, in der Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, und macht sich in Washington für eine aktive Klimagesetzgebung stark.

Shell CEO Peter Voser

Aber auch ohne verbindliche Rahmenbedingungen durch die Politik leistet Shell einen Beitrag zur Klimapolitik. So nimmt das Unternehmen bei der Entwicklung und beim Einsatz von zukunftsweisenden Technologien international eine Vorreiterrolle ein. „Wir konzentrieren uns dabei auf vier Bereiche: Energieeffizienz, Biokraftstoffe, CO2-Abscheidung und –lagerung sowie Erdgas“, sagte Voser.

Das Engagement trägt Früchte. Beispiel Energieeffizienz: Zwischen 1999 und 2009 konnte Shell seine Emissionen um 35 Prozent senken – und damit das selbstgesteckte Ziel deutlich übertreffen. Ein weiterer Erfolg ist das Programm „smarter mobility“ für Autofahrer. Mit FuelSave-Kraftstoffen, kraftstoffsparenden Schmierstoffen und mit Kursen für energieeffizientere Fahrweise zeigt Shell, wie man die gleiche Entfernung mit deutlich weniger Energie zurücklegen kann.

Auch als weltgrößte Vermarkter von Biokraftstoffen der ersten Generation hat Shell die Weichen für die Zukunft gestellt. „Darüber hinaus entwickeln wir Technologien für Biokraftstoffe der zweiten Generation, bei denen unter anderem Ethanol aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie etwa Stroh hergestellt bzw. pflanzlicher Zucker in Transportstoffe wie Benzin und Diesel umgewandelt werden“, sagt Voser. Bei der CO2-Abscheidung und –Lagerung ist Shell an einer Reihe von Projekten in Europa, Amerika und Australien beteiligt. Ein Hauptaugenmerk legt Shell auf die Förderung von Erdgas.

„Das ist die sauberste Form fossiler Energien. Gaskraftwerke sind günstiger, einfacher und schneller zu bauen als Kohle- und Kernkraftwerke“, sagt Voser. Die Zahlen sind eindrucksvoll: Ein modernes Gaskraftwerk emittiert im Vergleich zu einem modernen Kohlekraftwerk nur halb so viel CO2; gegenüber einem Kohlekraftwerk alten Typs, wie es auch in Deutschland noch verbreitet ist, beträgt die Energieeinsparung sogar 60 bis 70 Prozent.

Globale Kooperationen gefragt

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Stellvertretender Direktor und Chefökonom am PIK

Raus aus der Kohle: Wie bereits Peter Voser sieht auch Klimaforscher Prof. Dr. Ottmar Edenhofer  eine Kernaufgabe für die Energiepolitik der Zukunft darin, einen globalen CO2-Preis einzuführen. „Denn wenn Öl- und Gaspreise steigen, wird Kohle im Strommarkt wieder wettbewerbsfähig – etwa in China. Wir brauchen also einen weltweiten CO2-Markt, um die Kohlerenaissance zu verhindern.“ Edenhofer sieht in der Klimakrise die große Chance zum Beginn einer globalen Handlungskooperation, die nicht nur den Energiemarkt betrifft, sondern zum Beispiel auch die Finanzmärkte.

Vor diesem Hintergrund wertet der Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts auch die Weltklimakonferenz in Kopenhagen als Meilenstein. „Die Konferenz wird in die globale Klimapolitik als Zäsur eingehen. Nicht weil sie ein politischer Erfolg war, sondern weil alle Teilnehmer zum ersten Mal eine gemeinsame Problemwahrnehmung hatten und anerkannten, dass der Klimawandel hauptsächlich vom Menschen verursacht wird, ein Risiko darstellt und verhindert werden kann. Endlich herrscht die Einsicht, dass Klimapolitik kein Luxusthema ist“, so Edenhofer.

Die Zukunft hat begonnen

Zahlreiche Gäste verfolgten die Diskussion und brachten sich mit Fragen und Kommentaren ein

In der anschließenden Diskussion waren sich die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einig, dass die Kehrtwende nur gemeinsam zu schaffen ist. Dem Einwurf eines Gastes aus dem Publikum, die Bürger durch schärfere Gesetze zu stärkeren CO2-Einsparungen zu bewegen, erteilte Umweltminister Röttgen aber eine Absage: „Natürlich ist auch die Gesellschaft gefragt, ihren Beitrag zu leisten. Niemand soll aber leiden oder verzichten. Die Aufgabe ist es vielmehr, intelligente und kreative Lösungen zu finden, die uns im Modernisierungs-Wettbewerb auf die richtige Bahn bringen.“

Der Shell Energie-Dialog hat gezeigt: Die Zukunft hat bereits begonnen. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wissen um die Bedeutung einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Energiepolitik. „Jetzt gilt es, die nationalen Ziele in einen globalen Kontext zu integrieren“, so Fritjof von Nordenskjöld von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in seinem Schlusswort. Sein Appell: „Die Zukunft der Erde geht uns alle an. Wir dürfen nicht locker lassen.“

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