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Shell Energie-Dialog in München - 13.04.2010

„Technische Innovationen für nachhaltige Mobilität und Energieeffizienz“

Referenten

Begrüßung

  • Dr. Peter Blauwhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Shell Holding GmbH

Podium 

Moderator

  • Marc Beise, Ressortleiter Wirtschaft, Süddeutsche Zeitung

Nachhaltige Mobilität: Innovation ist ein Schlüssel

Referenten des 24. Shell Energie-Dialogs in München

Von Hans-Stefan Grosch

Auf dem 24. Shell Energie-Dialog in München diskutierten Experten über die Bedeutung technischer Innovationen für nachhaltige Mobilität und Energieeffizienz. Dabei wurde klar: Jeder kann einen Beitrag zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen leisten – der Automobilzulieferer durch die Verbesserung seiner Produkte, der einzelne Bürger durch die Veränderung seines Verhaltens.

Die Botschaft von Dr. Peter Blauwhoff war unmissverständlich: „Ein einfaches ‚Weiter so!' ist keine Option“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Shell Holding GmbH. Das Dilemma, vor dem die Welt steht: Effizienzverbesserungen haben in der Vergangenheit oft zu einem Mehr an Komfort geführt – mit der Folge, dass der Energieverbrauch gestiegen, nicht gesunken ist. Beispiel Automobilindustrie: Technische Fortschritte hin zu sparsameren Motoren wurden durch höhere Leistung und verbesserte Ausstattung kompensiert. Und der wachsende Motorisierungsgrad vor allem in den Schwellenländern verschärft die Herausforderungen noch.


„Wie können wir es schaffen, einerseits die Ernte aus Verbrauchs- und Emissionssenkungen einzufahren, ohne andererseits gleichzeitig der Mehrzahl der Weltbevölkerung die Chancen auf ein besseres Leben zu nehmen?“, fragte Blauwhoff denn auch zu Beginn des 24. Shell-Energie-Dialogs  – und bekam von den in München versammelten Experten unterschiedliche Antworten.

Hohe Ziele, kleine Schritte

Moderator Marc Beise, Ressortleiter Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung

Einen Dreiklang von Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Verkehrsverbesserung forderte Dr. Christian A. Rumpke, Bereichsleiter Energieeffiziente Verkehrssysteme bei der Deutschen Energie-Agentur (dena). Immerhin 30 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland gingen derzeit auf das Konto des Verkehrssektors; seit 1990 sei der Verbrauch um ein Viertel gestiegen. Um die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung – 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 – auch im Verkehrssektor zu erreichen, genüge es nicht, allein auf technologischen Fortschritt zu setzen.

Es komme auch auf veränderte Rahmenbedingungen der Politik und einen Bewusstseinswandel bei der Bevölkerung an. Positive Tendenzen sieht Rumpke schon. Auf Nachfrage von Moderator Marc Beise, Ressortleiter Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung, berichtete er, dass der Verbrauch als Kriterium für den Neuwagenkauf bei den Deutschen eine immer bedeutendere Rolle spiele.

„Umweltpolitik, die darauf abzielt, Menschen erziehen zu wollen, ist falsch“, hielt Dr. Georg Nüßlein entgegen. „Der Verzichtsumweltschutz muss durch High-tech-Umweltschutz ersetzt werden“, so der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Effizienzgewinne im Bereich Mobilität würden durch die wachsenden Individualverkehr in den Schwellenländern „kompensiert, wenn nicht überkompensiert“, so der CSU-Politiker, der eine Verfünffachung des weltweiten Autobestands bis 2030 erwartet.

Nüßlein kritisierte in diesem Zusammenhang, dass einseitige Umwelt-Vorgaben der EU dem Automobilstandort Deutschland schadeten. Es helfe dem globalen Klima nicht, wenn die Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagerten. Fortschritte müssten evolutionär und durch mehr Wettbewerb um die besten Lösungen erzielt werden. Auch der Staat sei gefragt. „Bei Forschung und Innovation müssen wir mehr tun“, sagte Nüßlein.

Reibungsarme Lager, reibungsarme Reifen

Plädoyer für mehr Energieeffizienz auf dem Podium

Was man da tun kann, zeigt beispielhaft der Automobilzulieferer SKF. Joachim Seubert, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Pkw-Sparte bei SKF, beschrieb anschaulich, wie das Thema Effizienzsteigerung seit jeher das Tagesgeschäft des traditionsreichen Wälzlagerherstellers bestimmt. Durch den Einsatz neuer Materialien lasse sich etwa das Gewicht eines Radlagers halbieren – mit entsprechenden Folgen für den Treibstoffverbrauch.

Eine neue Generation von Wälzlagern, die „Energy Efficiency Lager“, ermöglichten eine Energieeinsparung von mehr als 30 Prozent. Um komplexe Systeme besser zu gestalten, sei eine enge Kooperation zwischen Zulieferern, Herstellern und Hochschulen wichtig, so der Ingenieur. Schon die Optimierung von Lagern kann eine Menge bringen: „SKF Automotive bietet komplette Lösungen zur Reibungsreduktion an, die die CO2-Emissionen eines Autos um bis zu 8 Gramm pro Kilometer reduzieren“, rechnete Seubert vor.

Reibungsreduktion: Das war das Stichwort für Thomas Nagel, Leiter Public Affairs und Projektleiter e-Mobility bei der Michelin Gruppe. Für den Reifenspezialisten, der schon 1992 den ersten „grünen“ Reifen auf den Markt gebracht hat, steht das Thema Rollwiderstand ganz oben auf der Umweltagenda. Die Bedeutung des Reifens auf die Energieffizienz werde oft unterschätzt,  so Nagel: „Bei Autos ist der Rollwiderstand für 20 Prozent des Treibstoffverbrauchs verantwortlich.“

Ziel des Unternehmens sei es, bis zum Jahr 2030 eine Halbierung des Wertes zu erreichen. Rückenwind erhofft sich Nagel von einem neuen EU-Reifen-Label, das Michelin initiiert hat und das ab 2012 gelten soll. Ähnlich wie heute bei Haushaltsgeräten kann der Verbraucher damit künftig auch bei Reifen seine Kaufentscheidung von einer guten Einstufung in Sachen Energieeffizienz abhängig machen.

Ein solches Label hält dena-Verkehrsexperte Rumpke auch bei Neuwagen für ein wirksames Marktinstrument. Die Bundesregierung habe im Rahmen der sogenannten Meseberg-Beschlüsse die Einführung geplant, „doch seit 2007 ist nichts passiert“. Rumpke forderte, weitere Instrumente auf den Weg zu bringen. Das hat Shell, der Gastgeber des Energie-Dialogs, gerade erst getan: Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen einen neuen Kraftstoff  eingeführt, mit dem Autofahrer laut Shell-Chef Blauwhoff „bis zu einen Liter pro 50-Liter-Tankfüllung sparen können“.

Mehr Vernunft, mehr Diskussion

<img width="240" height="163" src="http://www-static.shell.com/static/deu/imgs/240_wide/sem_team_salzburg.jpg" alt="Das Team "Fichtenelch" aus Salzburg präsentierte sein energieeffizientes Shell Eco-marathon Fahrzeug" />

Lager, Reifen, Kraftstoff: Die Ingenieure von SKF, Michelin und Shell tüfteln weiter an Verbesserungen ihrer Produkte in Richtung Energieeffizienz. Denn oft sind es die kleinen Dinge, die in der Summe einen großen Effekt erzielen – und dazu zählt eben auch, „dass man den Weg zum Bäcker nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß zurücklegt“, so Christian A. Rumpke.

Doch nur auf die Vernunft der Verbraucher mag der Dena-Mann nicht setzen. Tempolimit, Umweltzonen, CO2-abhängige Energiesteuern – der Katalog der möglichen ordnungspolitischer Maßnahmen ist vielfältig. CSU-Mann Georg Nüßlein bleibt da skeptisch: „Wir sind eine Autobauernation – und ich möchte, dass es so bleibt.“

Trotz aller Kontroverse: Einig waren sich die Diskutanten, „dass es sich lohnt, mit Shell in den Energie-Dialog zu treten“ (Rumpke). Anerkennung gab es auch von Moderator und Süddeutsche-Ressortleiter Marc Beise: Dass die Veranstaltungsreihe nun schon zum 24. Mal stattfand, sei ein besonderer Ausweis von Nachhaltigkeit.