Wie gestalten Jugendliche ihre Freizeit?

Bei den Freizeitaktivitäten hat das Internet in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Geselligkeit, Kontakte knüpfen, sich mit anderen Leuten treffen etc. bleibt das zentrale Motiv. Sportliche Aktivitäten, klassische Mediennutzung (Fernsehen, Musik) und kreative Elemente lassen sich ebenfalls finden. Wichtiger geworden sind auch Unternehmungen mit der Familie. Die soziale Herkunft ist auch beim Freizeitverhalten wichtig. Bei Jugendlichen aus sozial besser gestellten Elternhäusern verstärkt entsprechendes Freizeitverhalten (Bücher lesen / etwas Kreatives, Künstlerisches machen) die persönlichen Kompetenzen.

Freizeittypen

Dies führt dazu, dass auch 2015 Jugendliche aus der oberen Schicht häufiger in der Gruppe der „kreativen Freizeitelite“ (23 Prozent von allen Jugendlichen) anzutreffen sind.  Jüngere, und hier vor allem männliche Jugendliche, sind dagegen vermehrt unter den „Medienfreaks“ (27 Prozent) zu finden. Für diese stehen Computerspiele, Videos und „Rumhängen“ im Vordergrund.  „Gesellige Jugendliche“ (30 Prozent) bilden die größte Gruppe. Für diese eher älteren Jugendlichen aus den mittleren Schichten stehen gemeinsame Aktivitäten mit Freunden verstärkt auf dem Programm.

Während diese drei Gruppen so bereits 2010 beschrieben werden konnten, ist 2015 eine vierte Gruppe hinzugekommen: Die „stärker Familienorientierten“ (24 Prozent). Diese vermehrt weiblichen Jugendlichen aus den mittleren Schichten unternehmen viel mit der Familie.  Auch Fernsehen und Internet sind für sie häufige Freizeitaktivitäten.

Online, aber misstrauisch

Im Jahr 2015 ist die Online-Vollversorgung Wirklichkeit geworden: 99 Prozent der Jugendlichen haben Zugang zum Internet. Sie nutzen im Durchschnitt 2,3 Zugangskanäle wie beispielsweise Smartphone oder Laptop/Notebook. Zudem ist die junge Generation immer länger im Netz: Durchschnittlich 18,4 Stunden verbringen die Jugendlichen wöchentlich online, 2006 waren es noch weniger als 10 Stunden.

Kritischer Blick auf Datennutzung

Gleichzeitig sind die Jugendlichen über die Problematik der Datennutzung im Internet informiert und sehen diese auch kritisch. Mehr als vier Fünftel von ihnen glauben, dass große Konzerne wie Google und Facebook mit ihren Nutzern und deren Daten viel Geld verdienen. Obwohl mehr als die Hälfte der Jugendlichen angibt, häufig oder sehr häufig Facebook zu nutzen, fällt das Vertrauen in dieses Unternehmen sehr gering aus.

Der Online-Alltag eines deutschen Jugendlichen

Beim alltäglichen Internet-Nutzungsverhalten der Jugendlichen lassen sich drei große Bereiche ausmachen: Unterhaltung, Information und interaktiver Austausch.  Im ersten Bereich finden sich Aktivitäten wie „Videos, Filme, Fernsehen“, „Musik runterladen oder hören“, „Chats“ sowie „Spiele, Gamen“ und „auf soziale Netzwerke zugreifen“. Im zweiten Bereich kommen Aktivitäten wie „Nach Informationen suchen, die ich gerade brauche“, „Mich informieren, was in Politik und Gesellschaft passiert“, „Das Netz für Schule, Ausbildung oder Beruf nutzen“ sowie „E-Mails versenden“ zusammen.

Jugendliche werden zu Content-Produzenten

Auf Basis der in den letzten Jahren im Internet herausgebildeten Social Media-Infrastruktur sind im dritten Bereich des interaktiven Austausches Aktivitäten wie „Meinen Blog schreiben“, „Bewertungen zu Produkten oder Dienstleistungen schreiben“, „Fotos, Videos oder Musik ins Internet hochladen“ enthalten. Damit erschließen sich Jugendliche nicht nur passiv die vorgefundenen Inhalte, sondern bringen sich aktiv mit eigenen Inhalten ein. Bei dieser Form des Mitmach-Internets finden sich vermehrt nicht-deutsche Jugendliche, die diese Gestaltungsmöglichkeit augenscheinlich verstärkt nutzen, um mit wenig Aufwand Menschen in der Ferne an ihrem Leben teilhaben zu lassen.

  • Die Info-Nutzer (25 Prozent): Diese eher weiblichen, älteren, besser gebildeten Jugendlichen nutzen die Vielfalt der Informationen, die das Internet bereithält. Unterhaltung sowie interaktiver Austausch spielen bei ihnen eine geringere Rolle.
  • Die Medienkonsumenten (24 Prozent): Bei den Medienkonsumenten dominiert die Unterhaltung. 59 Prozent sind Schüler und mit einem Drittel sogar überproportional häufig Gymnasiasten.
  • Die digitalen Bewohner (20 Prozent): Die digitalen, eher männlichen und eher älteren  Bewohner nutzen das Internet allumfassend, zur Unterhaltung, zum interaktiven Austausch und für Informationen. Sie finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten.
  • Die Gelegenheitsnutzer (19 Prozent): Die Gelegenheitsnutzer gehen allen drei Bereichen der Internetnutzung weniger häufig nach und finden sich eher unter jüngeren Jugendlichen mit etwas geringerem Bildungshintergrund. 
  • Die interaktiv-orientierten Selbstdarsteller (12 Prozent): Die Selbstdarsteller nutzen vor allem die interaktiven Möglichkeiten des Social Web. Diese etwas häufiger männlichen nutzen die Zeit im Internet stärker zur Selbstdarstellung.

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