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Jeremy Bentham, Shell, Dr. Karsten Sach (Bundesministerium für Umwelt) und Dr. Susanne Dröge (Stiftung Wissenschaft und Politik) diskutierten unter Leitung von Klaus Stratmann (Handelsblatt)

Zwei-Grad-Ziel: „Herausforderungen sind größer als Diskussion es erahnen lässt“

Leitfrage war: „Wie muss sich das globale Energiesystem wandeln, um CO2-Emissionen auf „Netto Null“ zu senken und damit ein für alle Menschen nachhaltiges Leben auf einem gesunden Planeten zu ermöglichen?“

„Die Herausforderungen sind größer, als Diskussion in Deutschland erahnen lässt“, stellte Shell Deutschland-Chef Stijn van Els vor 130 Gästen in Berlin fest. Die bekannten Maßnahmen, zum Beispiel der Ausbau der Erneuerbaren, reichen laut van Els nicht aus.

Netto-Null-Emissionen-Welt trotz steigenden Energiebedarfs?

Keine Illusion ließ Jeremy Bentham, Shell Vice President Global Business Environment und Leiter des Shell Szenarien-Teams: Das Ziel "Null-Emissionen" zu erreichen, mache eine fundamentale Transformation der gesamten Weltwirtschaft und des Energiesystems notwendig. Dieser Wandel werde über Jahrzehnte andauern und beispiellose Investments, neue Geschäftsmodelle, aber auch eine Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Verbrauchern und Unternehmen erfordern.

Fortschritte zu einer CO2-ärmeren Welt werden durch folgende Hebel erreicht: Stromgewinnung auf der Grundlagen von erneuerbaren Energien, effizientere und wärmeisolierte Gebäude, emissionsarmer Transport, Transformation und Umbau der Industrie, nachhaltige Landwirtschaft und neue Verhaltensnormen. Bereiche wie Industrie, Wärme oder Verkehr haben dabei jeweils spezifische Anforderungen. Unterschiedliche Sektoren können sich verschieden schnell dekarbonisieren – darin unterscheiden sich zum Beispiel schon der Pkw-Verkehr und der Straßengüterfernverkehr erheblich. Denn der Straßengüterfernverkehr bleibe auf energiedichte Kraftstoffe wie den Diesel angewiesen; der PKW-Verkehr hingegen lasse sich vergleichsweise einfach elektrifizieren.

Eine Null-Emissionen-Welt ist keine Welt ohne Emissionen, zeigte Bentham weiter auf. Es ist eine Welt, in der Emissionen an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden, zum Beispiel durch die CCS- (Carbon Capture and Storage) oder alternative Technologien.

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Vorrang für Ausschöpfung aller Effizienzpotentiale

In der anschließenden Diskussion, geleitet von Klaus Stratmann, Redakteur des Handelsblatts, betonte Dr. Karsten Sach, Abteilungsleiter Klimapolitik im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit,  den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung. Erstmals sind hierin Ziele für alle Wirtschaftszweige und Sektoren festgelegt, deren Erreichung kontinuierlich überprüft und an neue Vorgaben angepasst werden soll. Als wichtigste Maßgabe unterstrich er die volle Ausschöpfung für alle Effizienzpotentiale. Hier sah er wesentlich mehr Optionen, als er in der Shell Studie gefunden habe. Einem relevanten Einsatz der CCS-Technologie in Deutschland erteilte Sach eine Absage, er sehe nur kleinere Anwendungen in der Industrie. Allerdings würde in anderen Teilen der Welt CCS sicher eine Rolle spielen.

Ganzheitliches Denken und Forschungsförderung im Blick

Dr. Susanne Dröge, Senior Fellow, Global Issues, der „Stiftung Wissenschaft und Politik“, bestätigte, dass der Klimaschutzplan 2050 ein wichtiges Signal war, obwohl sie daran einiges zu kritisieren habe. Zum Beispiel tue sich noch viel zu wenig in den Sektoren Transport, Agrar und Industrie. Generell betonte sie die Notwendigkeit eines neuen, ganzheitlichen Denkens: Es dürfe künftig keine Betrachtung mehr in nationalen Grenzen oder bezogen auf einzelne Sektoren geben. Sie forderte Deutschland dazu auf, mehr in die Forschungsförderung zu investieren und die Modernisierung der Industrie konsequent zu unterstützen.

CO2-Bepreisung notwendig für den Wandel

Alle waren sich darin einig, dass die CO2-Bepreisung für die Transformation des globalen Energie- und Wirtschaftssystems notwendig ist. Zusammenfassend nannte Moderator Klaus Stratmann als weitere wichtigste Themen die Energieeffizienz sowie mannigfache Lernprozesse auf allen Ebenen, vor allem im Umfeld von Forschung und Innovation.

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