Der Umbau der Energiesysteme kostet viel Geld – und zumindest einen hohen Teil der Rechnung werden die Verbraucher zahlen. Umso wichtiger, dass jeder Euro so effizient wie möglich eingesetzt wird. Wie das geschehen kann, darüber diskutierten im Rahmen des Shell Energie-Dialogs am 17. Juni Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft IG BCE, Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, und Dr. Peter Blauwhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Shell Holding vor 170 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden und Wissenschaft. Titel der Veranstaltung in Berlin „Was kostet uns das Energiesystem der Zukunft?“

Was ist eigentlich das Ziel der Energiewende?

Im Laufe der von der Wirtschaftspublizistin Dr. Ursula Weidenfeld moderierten Debatte wurde immer wieder die Frage nach den Zielen der Energiewende laut. Michael Hüther warf diese Frage gleich zu Anfang auf: „Was wollen wir eigentlich erreichen? Unabhängigkeit von der Kernenergie? Förderung der Erneuerbaren? Klimaschutz?“

Die Ziele der Energiewende in Deutschland, so meinte auch Michael Vassiliadis, habe die Bundesregierung weder klar umrissen noch eindeutig priorisiert. So zu tun, als ob alle Ziele der Energiewende wie CO2-Reduktion oder Anschub von Innovationen vereinbar wären und sich auch noch finanziell selbst tragen würden, sei naiv.

"Energiekosten werden zum größten Problem der Industrie in Deutschland."

Michael Hüther

Folge dieser mangelnden Prioritätensetzung aber sei, dass die CO2-Emissionen in Deutschland wieder steigen – um je zwei Prozent in den beiden vergangenen Jahren, so führte Peter Blauwhoff aus. Eine Entwicklung, die umgekehrt werden müsse. Der Klimaschutz, also die Reduzierung der CO2-Emissionen, müsse deshalb in Deutschland einen größeren Stellenwert bekommen.

Aber – auch darin waren sich die Diskutanten einig – es müsse offen über die Kosten gesprochen werden. Und die seien hoch.

Bisher leite Deutschland erhebliche Mittel vor allem in den Ausbau der Erneuerbaren. Die Umlagesumme durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) wird in 2014 erneut steigen - von 20 Mrd. Euro in 2013 auf voraussichtlich 23 Mrd. Euro in diesem Jahr.

Diese Subventionierung stellt ein unglaubliches Umverteilungspotenzial dar - mahnte Michael Vassiliadis: „Die Beschäftigten in den energieintensiven Industrien werden dreifach belastet: als Stromkunden, über die Umlagen und über die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze.“

Weder das EEG noch die Diskussion um die Industrierabatte habe die nötige Sicherheit gebracht, so Vassiliadis weiter. Die Unternehmen müssten jetzt fragen, welche Rahmenbedingungen in 10 oder 15 Jahren gelten.

"Die Beschäftigten in den energieintensiven Industrien werden dreifach belastet: als Stromkunden, über die Umlagen und über die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze."

Michael Vassiliadis

Energie ist mehr als nur Strom

Dabei stelle Strom ohnehin nur einen Teil des Energiemarktes in Deutschland dar.

Nach Anwendungen aufgeschlüsselt, mache Wärme zwei Drittel des Endenergieverbrauchs aus. „Um die CO2-Emissionen zu senken, wird auch hier ist eine Energiewende unverzichtbar sein.“

Doch die Kosten seien hoch. Würde etwa die Gebäudesanierungsrate von derzeit einem auf  zwei Prozent erhöht, um CO2-Emissionen des Wärmesektors zu senken, wären bis 2030 Investitionen von mehr als 30 Mrd. Euro pro Jahr erforderlich, so Blauwhoff. Auch im Mobilitätssektor ergäben sich je nach Zielsetzung in Summe jährliche Zusatzkosten von 15 bis 20 Mrd. Euro für eine beschleunigte Energiewende.

Energiekosten aber, so machte Michael Hüther deutlich, würden zum größten Problem der Industrie in Deutschland. In der energieintensiven Industrie sei Energie der größte Kostenblock – noch vor den Personalausgaben. Neben den direkten Folgen für die Verbraucher ergäben sich weitere volkswirtschaftliche Kosten. Da etwa in den USA die Energiepreise deutlich niedriger als in Europa seien, würden europäische Unternehmen zunehmend dort tätig werden. Das beträfe keinesfalls nur die energieintensiven Betriebe, die in Deutschland  immer weniger investierten. Auch Zulieferer oder Wirtschafts-Cluster seien betroffen. Arbeitsplätze seien gefährdet, Steuereinnahmen und Produktion würden mittel- und langfristig sinken.

"Folge einer mangelnden Prioritätensetzung ist, dass die CO2-Emissionen in Deutschland wieder steigen".

Peter Blauwhoff

Schnelle und kostengünstige Maßnahmen unterstützen

Hüther und die anderen Diskutanten forderten deshalb, in der deutschen Energiepolitik mehr auf die Effizienz der Instrumente zu setzen. Gefördert werden müssten Maßnahmen, die schnell und kostengünstig Beiträge zum Klimaschutz leisten könnten. Erneuerung von veralteten Heizungsanlagen etwa würden sich schnell auszahlen, die Förderung von Photovoltaik sei hingegen die teuerste Form von Subventionen.

Kann der Handel mit Emissionsrechten ein Beitrag sein? Er sei ein marktwirtschaftliches Prinzip, das ein Ziel setze und allen Beteiligten die Freiheit lasse, wie sie das Ziel des Klimaschutzes erreichen können, so Michael Hüther. Mehr Gas im Kraftwerkpark könne einen Beitrag leisten, ebenso der Einsatz von effizienten erneuerbaren Energien.

Führt Emissionshandel auch im Verkehrssektor zum Ziel? Während Prof. Hüther auch hier klar auf die Ausweitung dieses Systems setzte, war Peter Blauwhoff von der Shell eher skeptisch.  Investitions- oder Innovationsimpulse seien nach seiner Meinung eher nicht zu erwarten.

Führt Emissionshandel auch im Verkehrssektor zum Ziel? Während Prof. Hüther auch hier klar auf die Ausweitung dieses Systems setzte, war Peter Blauwhoff von der Shell eher skeptisch.  Investitions- oder Innovationsimpulse seien nach seiner Meinung eher nicht zu erwarten.

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