Die Anlage wurde von der TU Wien in Zusammenarbeit mit der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) und Shell entwickelt und von der Bertsch Holding GmbH mit Sitz in Bludenz konstruiert. Mit der Anlage wurden aus einem Teilstrom des Abgases des benachbarten Biomassekraftwerks pro Tag 0,7 Tonnen CO2 abgeschieden. Die Reinheitsanalyse des abgeschiedenen CO2 hat ergeben, dass es für den Einsatz als Dünger im Gewächshaus geeignet wäre.

„Die drastische Reduzierung von CO2-Emissionen ist wesentlich, damit Städte wie Wien lebenswert bleiben. Die Entwicklung von CO2-Abscheidungsverfahren kann im Gesamtkontext der Dekarbonisierung ein wichtiger Baustein sein. Wir freuen uns, dass wir als Forschungsstandort zu neuen Erkenntnissen in diesem Bereich beitragen konnten,“ so DI Karl Gruber, Wien Energie-Geschäftsführer.

Es wurde demonstriert, dass mit dem neuartigen Verfahren über 90% des CO2 aus Abgasen abgeschieden werden kann und dieses CO2 eine Reinheit von über 95% aufweist bezogen auf das trockene Gas, und das selbst bei CO2 Konzentrationen unter 4 vol%. Die bei diesem Prozess entstehenden Emissionen betrugen ohne Nachbehandlung deutlich weniger als 1 mg/Nm3 Ammoniak und waren bei anderen Abbauprodukten unter der Nachweisgrenze (< 0,2 mg/Nm3) des Adsorbens. Die wirtschaftliche Beurteilung hat gezeigt, dass die Abtrennkosten pro Tonne CO2 bis zu 25% geringer sind als bei der derzeit besten verfügbaren Technologie.

Wie andere CO2-Abscheidetechnologien nutzt auch das Verfahren im Wiener Projekt Stickstoff-Derivate – sogenannte Amine – um das Kohlendioxid aus den Abgasen von Verbrennungsprozessen zu trennen und so zu verhindern, dass es in die Atmosphäre gelangt und zur globalen Erwärmung beiträgt. Doch während die derzeit besten verfügbaren Methoden wässrige Amin-Lösungsmittel verwenden, dockt bei diesem Verfahren das CO2 aus dem Abgas in der mehrstufigen Wirbelschichtkolonne zunächst an feste Amin-funktionalisierte Partikel an und wird in einer zweiten Kolonne durch Wärmezufuhr wieder abgelöst.

Dr. Rob Littel, General Manager für CO2-Vermeidungstechnologien bei Shell, betont das Potenzial des innovativen Projektansatzes: „Wir halten die Abscheidung und Nutzung (CCU) von CO2 für eine essentielle Maßnahme, die der Welt dabei helfen kann, ihr ambitioniertes Ziel, den Klimawandel einzudämmen, zu erreichen und dabei mehr und sauberere Energie zu liefern.“ Die CCU-Technologie ermöglicht es, das CO2 aus bestehender Energie-Infrastruktur sowie aus energie-intensiver und Schwerindustrie, z.B. der Zement- und Stahlerzeugung, zu entfernen und stofflich zu nutzen.

Kohlendioxid kann auch als ein Rohstoff z.B. für chemische Prozesse eingesetzt werden. Ein reales Beispiel für die Nutzung von CO2 sind Gewächshausbetreiber in den Niederlanden, die seit fast zehn Jahren CO2 der Shell Raffinerie Pernis nutzen, um damit das Wachstum ihrer Pflanzen zu beschleunigen.

Die acht Projektpartner - Bertsch, BOKU, LGV, lkprojekt, M-TEC, Shell, TU Wien und Wien Energie - haben im ViennaGreenCO2 Projekt eine erfolgreiche nationale und internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energieforschung bewiesen.

 „Mit diesem Projekt wurde erfolgreich eine regionale CO2-Abscheidung und -Nutzung umgesetzt. Das international besetzte Konsortium - ein Schulterschluss aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Unternehmen – bildet die Basis für die rasche Marktreife von österreichischer Technologie. Das sichert Know-How und Wertschöpfung in Österreich“, so DI Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds der Republik Österreich, der das Projekt mit insgesamt 2,4 Mio. Euro förderte. Den Löwenanteil an den übrigen Kosten übernahm Shell.

Die Pilotanlage wird in den kommenden Monaten in die Niederlande transferiert und wieder in Betrieb genommen, um dort CO2 von einer Industrieanlage abzuscheiden. Das Energieunternehmen Shell plant, diese Technologie auch weiterhin im Rahmen von Partnerschaften für einen kommerziellen Einsatz weiter zu entwickeln. Dazu bereitet Shell ein Demonstrationsprojekt im größeren Maßstab (ca. 100 Tonnen CO2 pro Tag) als letzten Schritt vor dem Einsatz dieser Technologie im vollen Industriemaßstab vor. Dieses Projekt ist so also auch ein Beispiel dafür, wie innovative Technologie aus Österreich über die Grenzen hinaus genutzt wird.

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