Shell rheinland rafinery how it works

Gemeinsam die Energiewende gestalten

Nordrhein-Westfalen will der modernste und umweltfreundlichste Industriestandort Europas werden. Dafür unterstützt die nordrhein-westfälische Landesregierung auch die energieintensive Industrie. Deshalb wurde jetzt der Rahmen für eine Zusammenarbeit und Koordinierung von Tätigkeiten von Shell Deutschland, der Landesregierung NRW und weiteren Partnern gesetzt. Ziel ist es, die Rheinland Raffinerie zu einem nachhaltigen Energie- und Chemiestandort weiterzuentwickeln. Im vom Kohleausstieg besonders betroffenen NRW kann Shell so einen integrierten Beitrag zur Dekarbonisierung und gleichzeitigem Aufbau einer „grünen“ Industrie und zur Sicherung von Arbeitsplätzen leisten.

Von dem Team der Shell Rheinland Raffinerie am 20. Nov. 2020

„Die Landesregierung will Nordrhein-Westfalen zum modernsten und umweltfreundlichsten Industriestandort Europas entwickeln. Das schaffen wir aber nur, wenn Unternehmen und Politik eng zusammenarbeiten. Mit der heute unterzeichneten Absichtserklärung knüpfen wir genau hier an und unterstützen den Wandel der chemischen Industrie im Rheinland“, erklärt Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart. Die Absichtserklärung regelt die Zusammenarbeit von Landesregierung und Shell, um den Wandel der Rheinland Raffinerie bestmöglich zu unterstützen. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Transformationsdialogs mit der Landesinitiative IN4climate.NRW sowie eines Beirats mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Industrie und Wissenschaft.

„Wir arbeiten auf eine Mobilität hin, die keine fossilen Energien enthält. Die Rheinland Raffinerie ist Motor und Herzstück der Shell Aktivitäten in Deutschland und wird eine Schlüsselrolle spielen, um die Produkte bereitzustellen, die sich zusehends von unserem heutigen rohöldominierten Angebot unterscheiden und mehr und mehr zu regenerativen Lösungen wandeln werden“, beschreibt Dr. Fabian Ziegler die Bedeutung der Werke in Köln-Godorf und Wesseling. Mit einer Jahreskapazität zur Verarbeitung von rund 17 Millionen Tonnen Rohöl bilden sie die größte Raffinerie in Deutschland. „Damit können wir einen doppelten Beitrag leisten: einerseits für unsere eigenen Ambitionen, CO2-Emissionen zu senken, und andererseits für den Strukturwandel im Rheinischen Revier“, so der Chef von Shell in Deutschland. Schließlich können die dafür notwendigen Energiewendeprojekte an einem vorhandenen Raffineriestandort schneller, effektiver und effizienter umgesetzt werden als „auf der grünen Wiese“. Bereits im September hatte Ziegler angekündigt, dass Shell in Deutschland die eigenen Treibhausgasemissionen und jene, die beim Verbrauch von Shell-Produkten entstehen, binnen eines Jahrzehnts um über ein Drittel senken oder kompensieren will. Das entspricht rund 30 Millionen Tonnen pro Jahr beziehungsweise rund einem Zehntel des CO2-Reduktionsziels der deutschen Bundesregierung bis 2030.

„Wir wollen nicht die letzte Raffinerie in der alten, sondern eine erfolgreich transformierte Raffinerie in der neuen Energiewelt sein – eben ein nachhaltiger Energie- und Chemiestandort“, erklärt Dr. Marco Richrath. „Dafür haben wir in den Werken Köln-Godorf und Wesseling an vielen Stellen Potenzial ermittelt. Diese Zukunftsoptionen wollen und müssen wir konsequent nutzen. Das ist Energiewendegestaltung und Standortsicherung in einem“, so der Raffineriedirektor.

Aktuell ist die Raffinerie mit den beiden linksrheinischen Standorten noch stark von der Rohölverarbeitung bestimmt und produziert vor allem Propan, Butan, Benzin, Kerosin, Diesel, Heizöle, Bitumen und Petrochemikalien. Doch schon heute werden dort die Weichen für eine umweltfreundliche Zukunft gestellt:

  • Der Kraftwerksneubau in Godorf und die damit verbundenen Umstellung von Öl- auf Gasbefeuerung führt zu einer Emissionsbilanz von 30 Prozent weniger Stickoxiden, 80 Prozent weniger Schwefeloxiden und etwa 100.000 Tonnen weniger CO2 pro Jahr.
  • In Wesseling baut Shell den weltweit größten PEM-Wasserstoffelektrolyseur („proton exchange membrane“). Der Strombedarf der 10-Megawatt-Anlage soll vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, und der erzeugte grüne Wasserstoff – rund 1.300 Tonnen pro Jahr – kann komplett in Raffinerieprozesse integriert werden, zum Beispiel für die Entschwefelung konventioneller Brennstoffe. Bei dem sogenannten REFHYNE-Projekt handelt es sich um eine Pilotanlage. Für den Raum Köln trägt das Projekt außerdem zum Aufbau einer neuen Wasserstoff-Modellregion bei, die auf Aktivitäten rund um Tankstellen, Auto- und Buseinsatz aufbauen soll und die gemeinsam das Potential von Wasserstoff in der Energiewende zeigen kann. Mit der zunächst geplanten Jahresproduktion des Elektrolyseurs könnten beispielsweise auch rund 10.000 Brennstoffzellen-Pkw oder etwa 300 Brennstoffzellen-Busse mit umweltfreundlichem, grünem Wasserstoff versorgt werden. Mit dem Projekt einer Erweiterung der Wasserstoffelektrolyse auf 100 Megawatt hat sich Shell jüngst bei einer Ausschreibung des Innovation Funds der Europäischen Union beworben.
  • Rund 100.000 Tonnen CO2-neutralen Lkw-Kraftstoff will Shell pro Jahr mit einem in Godorf geplanten Gas-Verflüssiger herstellen. Gespeist werden soll die LNG-Anlage vor allem mit Biomethan. Die Investition in der Rheinland Raffinerie ist damit Teil einer bundesweiten LNG-Strategie von Shell, die darauf abzielt, dass der Schwerlastverkehr in Deutschland mittelfristig in einem ersten Schritt bis zu eine Million Tonnen CO₂ pro Jahr weniger ausstößt.
  • Erfolgreiche Praxis in Wesseling ist bereits die Mit-Verarbeitung von pflanzlichen Ölen im Raffinerieprozess. Durch die Beimischung dieser Bio-Komponenten reduziert Shell den ökologischen Fußabdruck seiner Produkte, ohne dass die Qualität darunter leidet. Damit sammelt die Raffinerie Erfahrungen, die sich perspektivisch auch für die alleinstehende Konversion von Pflanzenölen zu Bio-Kraftstoffen nutzen lassen – anstatt nur für die Beimischung zu fossilen Kraftstoffen.
  • In einer vom Land NRW geförderten Machbarkeitsstudie wurde die Umsetzung einer ersten Demonstrationsanlage zur Herstellung von synthetischen Power-to-Liquids-Kraftstoffen untersucht: Eine solche Anlage könnte in Wesseling integriert werden und mit erneuerbaren Energien mehrere Tausend Tonnen treibhausgasreduzierte Kraftstoffe im Jahr produzieren. Diese können insbesondere im Flugverkehr verwendet werden und dort fossile Kraftstoffe ersetzen.
  • Shell ist Mitglied der 2019 gegründeten weltweiten „Alliance to end plastic waste”. Als wachsender Hersteller von Basischemikalien für die Kunststoffindustrie geht die Rheinland Raffinerie insbesondere der Frage nach, wie Plastikabfälle als recycelte Rohstoffe wieder in die Produktion eingebunden werden können. Mit der großen Flexibilität der vorhandenen Anlagen für verschiedene Einsatzstoffe will Shell die Verarbeitung von synthetisch verflüssigtem Plastikabfall – sogenanntem Pyrolyseöl – prüfen und damit den Rohöleinsatz weiter senken.

„Der Trend ist klar: Weniger Rohölverarbeitung, mehr Einsatz regenerativer Eingangsstoffe, klarerer Fokus auf zukunftsorientierte Energielösungen und Spezialchemieprodukte. Mit Bio-Komponenten, Öko-Strom und grünem Wasserstoff streben wir eine substanzielle und richtungsweisende Veränderung des heutigen Produktoutputs an, und damit wird sich auch unser Anlagenbestand verändern: Neue Anlagen werden entstehen oder sind zum Teil jetzt schon im Bau, manche Anlagen werden umgerüstet und zukünftig andere, nachhaltigere Produkte herstellen, und manche Anlagen werden nicht mehr in das Konzept unserer Neuausrichtung passen“, fasst Richrath die Transformationsabsichten zusammen.

Nordrhein-Westfalen ist mit etwa 100.000 Beschäftigten der bedeutendste Chemiestandort Deutschlands: Rund ein Drittel aller Umsätze in der deutschen chemischen Industrie erwirtschaften die NRW-Unternehmen. Die Shell Rheinland Raffinerie ist seit vielen Jahren ein strategischer Energie- und Chemielieferant eben jener Unternehmen in NRW sowie innerhalb und über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Land NRW und Shell unterzeichnen Kooperationsvereinbarung
Im Bild (© MWIDE): Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart (vorne links) und Dr. Fabian Ziegler (Shell-Deutschland-Chef, vorne rechts) unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung zur Transformation der Rheinland Raffinerie. Mit dabei: Raffineriedirektor Dr. Marco Richrath (stehend links) und Maximilian Pinno (stehend rechts, zuständig für die Politikbeziehung der Raffinerie)