Stillstand in Wesseling – aber sicher

Stillstand in Wesseling – aber sicher

Die Rheinland Raffinerie unterzieht ihre Anlagen in festgelegten Abständen planmäßigen Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten – wie die TÜV-Untersuchung beim Auto. Von Ende August bis Mitte Oktober ist so ein Wartungsstillstand im Werk Wesseling geplant. Die Arbeiten wurden rund drei Jahre vorbereitet und in den letzten Monaten durch ein umfassendes Sicherheits- und Hygienekonzept zum Schutz vor Corona-Infektionen ergänzt.

Von dem Team der Shell Rheinland Raffinerie am 13. Aug. 2020

Ursprünglich sollte der Stillstand bereits im April stattfinden. „In der zusätzlichen Zeit seit März haben wir uns intensiv mit anderen deutschen und europäischen Raffinerien von Shell und anderen Betreibern ausgetauscht, die bereits vergleichbare Stillstände unter Corona-Bedingungen erfolgreich durchgeführt haben. Wir haben die Problemzonen im und ums Werk unter die Lupe genommen und für jedes identifizierte Risiko Gegenmaßnahmen getroffen. Denn die Gesundheit unserer Stillstandsmitarbeiter, unserer Stammbelegschaft und unserer Nachbarn hat oberste Priorität“, erklärt Stillstandsmanager André Nußbaum. Bis zu 2.000 zusätzliche Mitarbeiter werden ab dem 20. August täglich durch die Tore von Deutschlands größter Raffinerie gehen. Eine der wirksamsten Infektionsbarrieren ist bereits, dass 95 Prozent der geplanten Arbeiten unter freiem Himmel stattfinden. Die ausreichende Belüftung in den Arbeitssituationen ist also gegeben.

Das Sicherheits- und Hygienekonzept für den Stillstand stellten Nußbaum und sein Team aus Instandhaltungsingenieuren, Arbeitssicherheitsfachleuten und Werksärzten bei einem Vor-Ort-Termin am 12. August dem Kreisgesundheitsamt und der Bezirksregierung vor. Dabei konnten die Behördenvertreter gerade die Maßnahmen überprüfen, die vermeiden sollen, dass sich Mitarbeiter zu nahe kommen oder unnötige Kontaktstellen entstehen. Das Konzept erfasst alle Stationen, die die Arbeiter im und am Werk durchlaufen, wie Parkplatz, Werkszugang, Umkleiden und Duschen, Kantinen und Pausenbereiche, Büros und Besprechungscontainer. So sind beispielsweise in den Waschbereichen nur jedes zweite Becken und nur jede zweite Dusche benutzbar. Die gesamte Stillstandsmannschaft wird in drei Gruppen aufgeteilt, die diese Sozialbereiche jeweils nur in getrennten Zeitfenstern nutzen darf. Dazwischen wird gereinigt, desinfiziert und gelüftet. Statt einem gibt es zwei Kantinenzelte, und das Catering ist so organisiert, dass die Mahlzeiten in Vakuumverpackungen zubereitet werden, die erst der Konsument selber zum Verzehr öffnet. Geh- und Radwege werden deutlich gekennzeichnet, an Engstellen werden Einbahnregelungen getroffen. Alle Gewerke werden in kleinstmögliche Teams aufgeteilt, die während der gesamten Dauer des Stillstands bestehen bleiben, damit es nicht zu Durchmischungen und somit unnötigen Kontakten kommt.

Neben eigenen Gefährdungsbeurteilungen und der Expertise des Medizinischen Dienstes von Shell sowie Erfahrungen anderer Raffinerien flossen in dieses Konzept auch die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und die einschlägigen Verordnungen wie der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesarbeitsministeriums ein. Zur Kontrolle der Einhaltung der Regeln holt sich Shell Unterstützung einer externen Fachfirma, deren Hygiene-Coaches im Werk Hilfestellung leisten werden. Vor und während des Stillstands wird zudem ein enger und konstruktiver Austausch mit den Managements der beauftragten Partnerfirmen gepflegt.

Grundsätzlich gelten in der Raffinerie während der Corona-Pandemie und damit auch während der Stillstandsarbeiten diese fünf Grundregeln:

  • 1,5 Metern Mindestabstand sind einzuhalten. Da, wo dies aus der Arbeitssituation heraus nicht möglich ist, muss mit Schutzmasken, Gesichtsvisieren oder zusätzlichen Barrieren wie Plexiglasscheiben gearbeitet werden. Für alle geschlossenen Räume ist eine Maximalpersonenzahl festgelegt und ausgeschildert.
  • Mitarbeiter mit Krankheitssymptomen dürfen das Werk nicht betreten. An den Einlasstoren für den Stillstand wird kontaktlos die Körpertemperatur gemessen.
  • Die allgemeinen Hygieneregeln (Abstandhalten, Husten- und Niesetikette, regelmäßiges Händewaschen mit Seife) werden geschult und durch Beschilderungen im Werk immer wieder verdeutlicht. Im Stillstandsbereich sind diese Beschilderung neben Deutsch und Englisch in sechs weiteren Sprachen ausgeführt.
  • Corona-Kontakt- und -Verdachtsfälle werden über das Kontaktmanagement der Raffinerie erfasst. Alle dann eventuell betroffenen Mitarbeiter werden benachrichtigt und zur häuslichen Isolation verpflichtet.
  • Schließlich werden alle Mitarbeiter um Rücksicht auf- und Verständnis füreinander gebeten – wenn das Abstandhalten Wartezeiten verlängert, aber auch damit Kollegen sich gegenseitig an die Regeln erinnern.

„Durch die zusätzlichen Mitarbeiter werden wir während des Stillstands auch zusätzlichen Verkehr auf den Zufahrtswegen haben. Deutlich häufiger als im Normalbetrieb wird es außerdem in dieser Zeit zu Fackeltätigkeiten kommen – nämlich immer dann, wenn im Zuge der Arbeiten Anlagenteile außer Betrieb genommen oder wieder angefahren werden und überschüssiges Gas kontrolliert verbrannt werden muss. Für die entstehenden Belästigungen bitten wir unsere Nachbarschaft schon jetzt um Verständnis“, so Stillstandsmanager Nußbaum.

Raffinerien wie Shell im Rheinland sind rechtlich verpflichtet, ihre Anlagen regelmäßig einer Überprüfung durch unabhängige Sachverständige zu unterziehen. Die dafür maßgeblichen Grundlagen sind beispielsweise die sogenannte Druckgeräterichtlinie und Betriebssicherheitsverordnung.