Refinery at night

Wasserstoff Marsch!

Vielfältig einsetzbar, einfach zu speichern, und – bei Erzeugung aus „grünem“ Strom – ohne jeden CO2-Fußabdruck: Wasserstoff ist ein Energieträger mit Zukunft! Davon überzeugte sich die EU-Kommissarin für Energie, Kadri Simson, kurz vor der Vorstellung der Wasserstoffstrategie der EU. In der Shell Rheinland Raffinerie besuchte sie die REFHYNE-Baustelle, wo die weltweit größte PEM-Wasserstoffelektrolyse entsteht, informierte sich über Shells Energiewendeambitionen und weihte mit Raffineriedirektor Dr. Marco Richrath das erste Wasserstoffauto des Raffineriefuhrparks ein.

Von dem Team der Shell Rheinland Raffinerie am 07. Juli 2020

„Um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, müssen wir unser Energiesystem grundlegend umgestalten. Sauberer Wasserstoff wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, da er ein großes Potenzial zur Dekarbonisierung von Sektoren hat, in denen Elektrifizierung unmöglich oder zu teuer ist. Daher werden wir einen Fahrplan für die Erhöhung der Produktion und Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff vorschlagen. Europa ist gut aufgestellt, um in diesem Bereich weltweit Vorreiter zu sein – mit unserer führenden Position in der Windenergie und mit innovativen Projekten wie REFHYNE“, sagt EU-Kommissarin Simson.

„Nordrhein-Westfalen ist ein Wasserstoffland und will seine führende Position künftig weiter ausbauen. Schon heute kommen 30 Prozent der deutschen Wasserstoff-Nachfrage aus der nordrhein-westfälischen Industrie. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Nachfrage bis 2030 verdoppeln kann. Deshalb brauchen wir innovative Lösungen, die zu einer CO2-neutralen Deckung des Wasserstoffbedarfs beitragen. REFHYNE verdeutlicht, in welche Richtung unsere Industrie gehen muss, um mit unserem Energiesystem der Zukunft zu harmonisieren“, erklärt NRW-Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart.

Der Strom zur Produktion der 10-Megawatt-Anlage soll vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, und der erzeugte grüne Wasserstoff – rund 1.300 Tonnen pro Jahr – kann komplett in Raffinerieprozesse integriert werden, zum Beispiel für die Entschwefelung konventioneller Brennstoffe. Die Europäische Union fördert – über die Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) – die Pilotanlage. Die PEM-Wasserstoffelektrolyse („proton exchange membrane“) entsteht im Wesselinger Werksteil. Bauherren sind Shell und der britische Energieanlagenspezialist ITM Power, weitere Projektpartner sind SINTEF, Element Energy und Sphera. Bei erfolgreichem Betrieb legt sie den Grundstein für künftige großtechnische, kommerzielle 100-Megawatt-Industrieanlagen. Für den Raum Köln trägt das Projekt zum Aufbau einer neuen Wasserstoff-Modellregion bei, die auf Aktivitäten rund um Tankstellen, Auto- und Buseinsatz aufbauen soll und die das Potential von Wasserstoff zeigen kann.

Kadri Simson und Marco Richrath an der Shell Wasserstoff-Station
Wasserstoff marsch! EU-Energiekommissarin Kadri Simson und Raffineriedirektor Dr. Marco Richrath betanken an der Shell Wasserstoff-Station Bonn das Wasserstoffauto – einfach wie bei einem Verbrenner, und aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf.

„Shell leistet mit REFHYNE einen echten Beitrag zur Energiewende. Denn mit diesem Wasserstoff-Elektrolyseur reduzieren wir unseren CO2-Ausstoß. Außerdem entwickeln wir Lösungen für das Speichern von Wind- und Sonnenstrom im industriellen Maßstab. Mit der Anlage fördern wir die Stabilität der Stromnetze, indem wir Ökostrom-Spitzen glätten. Wir wollen zugleich eine neue Technik liefern – für die gesamte Industrie, aber auch für die Anwendung von Wasserstoff in elektrischen Fahrzeugen, wie wir es mit unserem neuen klimaneutralen Wasserstoffauto demonstrieren“, erklärt Dr. Marco Richrath.

Die Shell Rheinland Raffinerie will die Energiewende mitgestalten. Dazu gehört es außerdem, künftig mehr nachhaltige Kraftstoffe und Spezialchemikalien zu produzieren. Damit unterstützt die Raffinerie die Ambition des Konzerns: Shell ist weltweit dabei, das Geschäft an den Umbau der Energiesysteme anzupassen, und hat sich CO2-Reduktionziele gesetzt. Die Produktion soll bis spätestens 2050 netto null CO2-Emissionen verursachen, und der Netto-CO2-Ausstoß der von Shell verkauften Energieprodukte soll bis 2035 um rund 30 Prozent und bis 2050 um rund 65 Prozent gesenkt werden.

„Vom FCH JU finanzierte Projekte wie REFHYNE bieten der europäischen Elektrolyseindustrie die Möglichkeit, Anlagen zu bauen, die den strengen Standards der europäischen Raffinerieindustrie entsprechen. Sie werden dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck großer industrieller Prozesse durch die Produktion und Integration von grünem Wasserstoff zu reduzieren. Wir freuen uns, dass Kommissarin Simson sich gerade für den Besuch des REFHYNE-Projekts entschieden hat – so kurz vor der Bekanntgabe der EU-Wasserstoffstrategie“, erklärt Bart Biebuyck, Executive Director des FCH JU.

Kadri Simson und Andreas Pinkwart mit den REFHYNE-Projektpartnern
Besuch beim REFHYNE-Projekt in der Rheinland Raffinerie: EU-Kommissarin Kadri Simson (2.v.r.) und NRW-Wirtschafts- und -Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart (3.v.l.) mit den Projektpartnern Bart Biebuyck (2.v.l., Exekutivdirektor, FCH JU), Elisabeth Brinton (3.v.r., Executive Vice President New Energies, Shell), Dr. Marco Richrath (r., Direktor Rheinland Raffinerie, Shell) und Dr. Fabian Ziegler (l., Country Chair Germany, Shell).

Dr. Graham Cooley, CEO von ITM Power, sagt: „Wir sind stolz darauf, die Elektrolyseanlage für Shell herzustellen, die erneuerbare Energien in Wasserstoff ohne CO2-Fußabdruck verwandelt. Die grüne Elektrolyse hat das Potenzial, viele industrielle Prozesse, die Wasserstoff verwenden, zu dekarbonisieren. Dieses Projekt wird seine Anwendung im Pilotmaßstab zum ersten Mal in einer funktionierenden Raffinerie demonstrieren. Es zeigt, wie zukunftsorientierte Unternehmen und Regierungen gemeinsam unsere Verpflichtungen zur Emissionsreduzierung erfüllen können."

Wasserstoffprojekte von Shell in Europa

Grüner Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarenergie erzeugt wird, ist von zentraler Bedeutung für die Dekarbonisierung der Industrie und mithin auch für den europäischen „Green Deal“: So plant ein Konsortium aus Gasunie, Groningen Seaports und Shell Nederland das NortH2-Projekt: die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus dem erneuerbaren Strom eines Mega-Windparks mit 3 bis 4 Gigawatt im Jahr 2030. Darüber hinaus besteht der Ehrgeiz, die Leistung bis 2040 auf etwa 10 Gigawatt zu erhöhen.

Außerdem arbeitet Shell Nederland mit Partnern daran, eine grüne Wasserstoffdrehscheibe im Hafen von Rotterdam zu schaffen. Über ihr Joint Venture CrossWind beteiligen sich Shell und Eneco an der Ausschreibung für den Offshore-Windpark Hollandse Kust (Noord). Dessen Ökostrom soll dann eine 200-Megawatt-Wasserstoffelektrolyse speisen, die im Hafen auf der Maasvlakte 2 errichtet werden soll.