Große Herausforderungen für Politik, Hersteller und Kunden

Die Dimension der Herausforderung umriss Dr. Thomas Zengerly, Vorsitzender der Geschäftsführung der Shell Deutschland Oil, in seinem Eröffnungsbeitrag: „Weltweit wächst der Verkehr nicht nur, er wird sich absehbar verdoppeln. Die Zahl von derzeit 1,3 Milliarden Kraftfahrzeugen wird bis 2050 auf möglichweise 2,7 Milliarden steigen. Der Flugverkehr wächst derzeit mit Raten von 6 Prozent pro Jahr, der Schiffsverkehr boomt ebenso.“

Zugleich betonte Zengerly die dringenden Aufgaben, die sich daraus für den Gesetzgeber und die Hersteller gleichermaßen ergeben: „Klima-Emissionen müssen sehr deutlich sinken, wenn wir die anspruchsvollen UN-Ziele von Paris erreichen wollen“.

Die Bedeutung des Klimaschutzes für die Zukunft der Verkehrspolitik betonte auch Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 43 Prozent weniger CO2-Ausstoß für die küntigen PKW-Flotten bis 2030 seien eine Herausforderung, so Ferlemann. Er erklärte, dass er die Aufgabe der Politik auch darin sehe, „Menschen zum Umdenken zu provozieren“ und auf eine veränderte Mobilität hinzuwirken.

Antriebssysteme und Kraftstoffe müssten sich radikal verändern, so der Staatssekretär weiter. Er hob besonders die Möglichkeit von Wasserstoff hervor. Bei schweren Anwendungen – für Lastfahrzeuge, ebenso wie etwa bei Zügen, sei es der sinnvollste alternative Antrieb. Für diese Anwendungen sei die Batterie zu schwer. Auch LNG – verflüssigtes Erdgas – sei ein sinnvoller Kraftstoff zum Beispiel im Schwerlastverkehr.

Individuelle Mobilität soll nicht eingeschränkt werden

Wichtig sei es, auf dieser Reise die Verbraucher mitzunehmen, um ein verändertes Bewusstsein für die Herausforderungen der Energie- und Mobilitätswende zu schaffen, forderte Ulrich Klaus Becker, ADAC Vizepräsident für Verkehr. Ziel müsse sein, dass die Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs ein wichtiger Faktor der Kaufentscheidung werde.

„Um die individuelle Mobilität zu ermöglichen, müssen wir uns auch mit anderen Verkehrsformen befassen“, sagte Becker, und verwies in diesem Zusammenhang auf Digitalisierung, Automatisierung und autonomes Fahren. Becker betonte, dass allein der Blick auf den Personenverkehr nicht ausreiche: „Die Diskussion in Medien und Politik kreist fast nur um den PKW. Aber nicht nur der Personenverkehr muss bis 2050 dekarbonisiert werden. Auch Busse, schwere LKW und Bahn bis hin zur Luft- und Schifffahrt müssen klimaneutral werden.“

Keine Patentlösung für bessere CO2-Bilanz

Einig waren sich die Sprecher, dass es keinen Königsweg gibt, um die Klimaziele zu erreichen. Vielmehr müssen unterschiedlichste Sektoren und Branchen zusammenspielen, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

„Ich glaube nicht, dass es die eine Antwort gibt, sondern viele“, unterstrich John Abbott, Executive Director und Vorstandsmitglied der Royal Dutch Shell plc. Die Szenarienarbeit von Shell habe gezeigt, dass die Klimaziele von Paris zwar erreicht werden können sei, dazu aber enorme Kraftanstrengungen aller Beteiligen nötig seien.

Der Shell Sprecher sprach sich neben Batterie und Brennstoffzelle als neue Antriebe auch für den Einsatz von LNG aus. So begrüßte er, dass Deutschland gerade Pläne für einen ersten LNG-Terminal angekündigt habe. Abbott: „Shell hat in Hamburg gerade die erste LNG-Tankstelle Deutschlands eröffnet, und es werden weitere folgen“. Shell werde künftig auch Marine-Kunden mit LNG beliefern - dazu gehört auch das weltweit erste LNG-Kreuzfahrtschiff.

Erneuerbare Energien stärken

Künftig würden noch mehr als bisher die Leistungen sämtlicher Verkehrsträger benötigt – da waren sich alle Sprecher einig. ADAC-Vizepräsident Becker forderte eine weitere Verbesserung des Angebots von ÖPNV und Bahn. Diese könnten einen Beitrag zu niedrigeren Verbräuchen und niedrigeren Emissionen leisten.

Enak Ferlemann forderte Konsequenz in der Energiewende. Es sei nichts gewonnen, wenn die Bahn zwar elektrisch fahre, der Strom dafür aber nicht aus erneuerbaren Quellen kommt. Das gelte ebenso für Wasserstoff als alternativen Kraftstoff „Wenn wir wirklich emissionsfreien, also grünen Wasserstoff erzeugen wollen, dann müssen wir in die Erneuerbaren einsteigen. Wenn wir die Klimaziele ernst nehmen, sollten wir zügig mit dem Beginn aus dem Ausstieg aus der Kohlverstromung starten, am besten vor 2030“, erklärte er.

Zuzug in die Ballungsräume wird Mobilität nachhaltig verändern

John Abbott erläuterte, dass CO2 ein globales Problem, die städtische Luftqualität jedoch ein lokales Problem sei. Entsprechend unterschiedlich seien auch die Lösungsansätze für diese Probleme. „Die Antwort in Manila wird eine andere sein als in Berlin“, erklärte er.

Dass es im urbanen Raum zu großen Veränderungen der Mobilität komme werde, machte auch Enak Ferlemann deutlich: „Wir werden erleben, dass die Menschen noch mehr vom Land in die Stadt ziehen“. Die Staaten müssten deshalb in den Ballungsräumen den Verkehr komplett anders organisieren: „Das wird nur mit Massenverkehrsmitteln gehen - am besten spurgeführt.“

 

Mehr im Bereich „Shell Energie-Dialog”

Wasserstoff in Deutschland und der Welt

Wird Wasserstoff im Energiesystem der Zukunft eine tragende Rolle spielen? Die Sprecher beim Shell Energie-Dialog in Hamburg stimmten überein: Wasserstoff bietet sehr gute Voraussetzungen als alternativer Kraftstoff für den Verkehrssektor sowie für stationäre Anwendungen.