
Navigation im Strommarkt 2026: Wie Unternehmen Beschaffungsrisiken strukturiert managen können
Für Unternehmen in Deutschland hat sich die Strombeschaffung verändert. Steigende Volatilität, geopolitische Risiken und wachsende regulatorische Anforderungen führen zu einem Umfeld, in dem klassische Beschaffungsansätze zunehmend an Grenzen stoßen.
Ein zentraler Schmerzpunkt bleibt dabei die fehlende Planbarkeit. Investitionsentscheidungen in der Industrie folgen langfristigen Zyklen – Strompreise hingegen bleiben schwer prognostizierbar. Diese strukturelle Unsicherheit wirkt sich direkt auf Budgetplanung, Wettbewerbsfähigkeit und Elektrifizierungsprojekte aus.
Wie stark externe Faktoren die Marktdynamik aktuell treiben, wurde im Rahmen eines Webinars im Juni 2026 durch Marktexpertise eingeordnet. Dort betonte Sylvain Cognet-Dauphin, EMEA Power and Renewables Research Lead bei S&P Global Energy: „Sollten sich Krisen, wie etwa im Iran, verlängern oder andere geopolitische Faktoren die Verfügbarkeit von Erdgas verringern, würde der Gaspreis hoch bleiben – und damit würde auch der Marktpreis für Strom nach oben ziehen.“
Für B2B-Kunden bedeutet das: Preisrisiken sind heute nicht nur höher, sondern auch komplexer miteinander verknüpft – insbesondere durch die weiterhin zentrale Rolle von Gas im Strommarkt.
Volatilität ist nicht das einzige Problem – sondern ihre Struktur
Aus Sicht industrieller Verbraucher geht es dabei nicht allein um kurzfristige Preisschwankungen. Entscheidend ist vielmehr die strukturell gestiegene Unsicherheit und das Managen von Timing Risiken.
Diese Perspektive ordnete Jan Vollersen, Portfolio Manager bei Shell Energy Deutschland ein: „Der Terminmarkt ermöglicht über Absicherungsinstrumente eine Planungssicherheit für strategische Investitionsentscheidungen. Gleichzeitig können kurzfristige Preisspitzen bei geringer Beeinträchtigung des Kerngeschäftes abgewartet werden. Strukturell hohe Volatilität erhöht jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, günstige Eindeckungszeitpunkte zu verpassen und suboptimale zu treffen.“
Für Unternehmen führt diese Entwicklung zu einem erweiterten Spannungsfeld: Einerseits müssen Risiken abgesichert werden, andererseits bleiben Marktchancen relevant.
In diesem Marktumfeld stoßen einseitige Beschaffungsmodelle zunehmend an ihre Grenzen, da sie entweder eine hohe Exponierung gegenüber kurzfristigen Preisspitzen mit eingeschränkter Planbarkeit oder umgekehrt erhebliche Timing-Risiken und ungenutzte Marktchancen zur Folge haben und gleichzeitig die zunehmende Verknüpfung von Preisbildung, Regulierung und Flexibilitätsanforderungen nicht ausreichend berücksichtigen.
Chancen aktiv nutzen – statt nur Risiken vermeiden
Neben der Risikosteuerung rückt auch ein zweiter Aspekt stärker in den Fokus: die aktive Nutzung von Marktchancen.
Gerade volatile Märkte eröffnen zusätzliche Handlungsspielräume und schafft Chancen für Flexibilitätsoptionen. Damit verschiebt sich die Rolle der Strombeschaffung zunehmend – von einer rein operativen Funktion hin zu einem strategischen Hebel für Kostenoptimierung und Wettbewerbsfähigkeit.
Von Einzelmodellen zu integrierten Beschaffungsstrategien
Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Anforderungen an Strombeschaffung kontinuierlich weiter – weg von isolierten Einkaufsentscheidungen hin zu integrierten, strategischen Ansätzen.
Ein wesentlicher Lösungsansatz liegt in der Kombination unterschiedlicher Beschaffungsbausteine – abgestimmt auf das individuelle Risikoprofil, das Verbrauchsverhalten und regulatorische Anforderungen.

Zentraler Leitgedanke dabei sind flexible und modulare Beschaffungsstrategie auf Basis des Verbrauchsprofils, der eigenen Energieinfrastruktur und Risikoneigung. Diese umfassen u.a.:
- Kombination von Spot- und Terminmarkt zur Steuerung kurz- und langfristiger Risiken
- Integration von Power Purchase Agreements (PPAs) und Herkunftsnachweisen zur strukturierten Einbindung erneuerbarer Energien in die Beschaffungsstrategie
- Nutzung von Flexibilitätsoptionen wie Lastmanagement oder Speicher
- Strukturierte Beschaffungspläne zur Reduktion von Timing-Risiken
Dabei gewinnt die strukturierte Einbindung erneuerbarer Energien auch im regulatorischen Kontext eine größere Bedeutung. „Insbesondere die gekoppelte Lieferung von Herkunftsnachweisen (HKN) im Rahmen der Strompreiskompensation wird ab 2027 eine deutlich stärkere Rolle spielen“, hob Benjamin Groth, Power Commercial Lead bei Shell Energy Deutschland hervor.
Die Herausforderungen in der Strombeschaffung bleiben hoch – entwickeln sich jedoch gleichzeitig weiter. Unternehmen, die ihre Beschaffung modular, diversifiziert und strategisch ausrichten, schaffen die Grundlage, um sowohl mit Unsicherheit umzugehen als auch Marktchancen gezielt zu nutzen.
Shell Energy unterstützt Unternehmen dabei als strategischer Partner, Beschaffungsstrategien kontinuierlich entlang von Marktanforderungen weiterzuentwickeln und verschiedene Bausteine – von Terminmarktabsicherung bis hin zu Flexibilitätsoptionen und PPA – zu einer integrierten, belastbaren Lösung zusammenzuführen.
Weiterführende Details und finden Sie in den vollständigen Webinar-Slides vom 8. Juni 2026 (PDF, 3 MB).
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